Bitte weniger: Bloggen? Ist weniger das neue Mehr?

Eine neue Kolumne - weil weniger oft glücklicher macht.

Das mit dem Weniger habe ich ja im letzten Jahr angefangen, als ich mein Haus ausgemistet und mich von vielen Dingen getrennt habe, die ich nicht mehr brauchte  und die mich nicht mehr glücklich gemacht haben.Und das war so wahnsinnig befreiend! Auch wenn ich jetzt nicht direkt eine Minimalistin geworden bin :) Ich hab zum Beispiel auch mal das Prinzip der Capsule Wardrobe ausprobiert, das hat allerdings nicht ganz so gut funktioniert… Obwohl, das stimmt auch nicht ganz, denn im Großen und Ganzen habe ich tatsächlich nicht viele Klamotten, aber ich kaufe mir doch ganz gerne mal was Neues, dafür fliegt dann was Altes einfach raus. Okay, das ist vielleicht jetzt nicht besonders nachhaltig, und das ist ja im Moment gerade seeeehr im Trend, aber irgendeinen Laster der Mensch ja schließlich, wäre ja auch langweilig wenn man jedes Ziel SO-FORT erreicht, nä? Zurück gehalten habe ich mich in letzter Zeit allerdings sehr bei Wohnaccessoires. Klar, durch den Umbau brauchten wir einiges neu, aber eben nicht unbedingt Vasen, Kissen und Schüsseln. Und wenn ich mir das Bild zu diesem Post angucke, dann hätte ich fast auch gerne weniger Möbel.

Was ich in den letzten Monaten auch weniger gemacht habe ist bloggen. Warum? Weil sich in den letzten Jahren ja doch einiges verändert hat, auch das Leseverhalten. Weil mir viele Menschen erzählen, dass sie weniger Blogs lesen. Weil sie jetzt eben bei Instagram abhängen, den ganzen Tag Stories gucken oder Podcast hören. Das alles hat mich auch ein bisschen nachdenklich gemacht. Ist das so? Was würdet Ihr auf diese Frage antworten?

Nehme ich mir denn eigentlich selber noch die Zeit, Blogs zu lesen? Die Antwort ist: ja, ich lese noch. Aber weniger. Auch deswegen, weil ich zwar gerne sage, dass ich in diesem Internet wohne, ich aber trotzdem weniger Zeit im Internet verbringe als noch vor einem Jahr. Weil ich merke, dass es mir gut tut weniger online zu sein. Das ich mir wieder mehr Zeit für Dinge nehmen, die nicht im Internet passieren. Laufen zum Beispiel, dass ich seit einem halben Jahr für mich entdeckt habe und ich stolz darauf bin meinen inneren Schweinehund zu überwinden und morgens einfach loslaufe, sobald die Kinder aus dem Haus sind. Und es fühlt sich so viel besser an, nicht durch Instagram zu scrollen und im Schlafanzug im Homeoffice abzuhängen, sondern erst um neun Uhr fix und fertig am Schreibtisch zu sitzen und motiviert loszulegen.

Was ich damit sagen will: natürlich werde ich weiterhin bloggen. Wieder regelmässiger und vor allem – kürzer. Für Euch. Damit Ihr gerne vorbei kommt und hier mit lest. Und mehr Zeit habt fürs nichts tun, eine Runde laufen, mal wieder in einem Magazin zu blättern oder Zeit mit der Familie oder Freunden zu verbringen!

Und in der neuen Kolumne wird es in Zukunft öfter mal ums Weniger gehen. Weniger kaufen. Weniger online sein. Weniger kochen. Weniger arbeiten.

Weil weniger oft glücklicher und das Leben leichter macht.

Hand aufs Herz – wann habt ihr das letzte Mal einfach WENIGER gemacht?

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9 Kommentare

  • 4 Wochen ago

    Ein guter Ansatz. Beim Bloggen fällt es mir sehr schwer, weniger zu schreiben und Bild XY nicht 20 Mal zu bearbeiten…

    Und aus mal eben kurz etwas bloggen werden dann doch wieder 5 Stunden.

    Lieben Gruß
    Julius

  • 4 Wochen ago

    Ich nehme mir immer wieder vor weniger zu machen und schaffe es irgendwie doch nicht. Was ich aber wieder mehr mache und dann auch in Ruhe, ist Blogs zu lesen. Und dann nehme ich mir auch die Zeit zu kommentieren. Weil ich Blogs immer noch mag und mir IG und Stories oft einfach zu viel und zu schnell sind und mich all die Flut auch oft überfordert. LG, Nadine

  • 4 Wochen ago

    Liebe Ricarda,
    scheint wohl bei ganz vielen eine gewisse Übersättigung auch da zu sein. Weniger Zeit am Rechner, weniger Kleidung, weniger Konsum… ich bin ganz ehrlich… ich mag das lieber als mehr mehr mehr… Mich hat es 2018 auch erwischt mit Ausmisten und Reduzieren. Es tut gut. Liebe Grüße Emma

  • 4 Wochen ago

    Ich lese definitiv immer noch gerne Blogs , daran hat sich nichts geändert, auch wnn ich (erst seit diesem Jahr) Instagram für mich entdeckt habe. Ich bin seltener bei Facebook dafür , irgendwie gleicht sich das aus, aber einen kompleten Artikel mit Bildern zu einem Thema, finde ich immer noch am spannendsten. Weniger Papierkram, da arbeite ich gerade dran und wie du weniger Kleinkram wie Vasen, Kerzenhalter und Kissen.
    Viele Grüße Kathrin

  • Ich merke immer wieder, dass ich auch viel öfter bei Instagram abhänge anstatt auf meinen Lieblingsblogs vorbeizuschauen. Dabei habe ich allerdings dann später oft das Gefühl ich habe einfach nur sinnlos Zeit vertrödelt, ein Gefühl dass ich nur ganz selten habe, wenn ich wirklich Artikel lese! Gerade bei den Storys merke ich oft wie ich in einem Strom aus Schnipseln versinke, die mich eigentlich gar nicht interessieren, während ich bei Blogposts aktiv anklicke was mich anspricht und den Rest halt überspringe.

    Viele liebe Grüße!

  • 3 Wochen ago

    Früher hat man noch Blogs gelesen, aber heute interessiert sich doch niemand mehr für solche langen Texte…

    Social Media hat uns umerzogen. Immer kürzere Häppchen für unsere immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Und wir wissen eigentlich alle, dass uns das nicht gut tut. Warum also weiter forcieren?

    Warum unsere schönen Blogs – von denen es sowieso immer weniger gibt, weil alle nur noch “content marketing” machen – dem nicht entgegen stellen? Blogs waren doch schon immer ein Gegenentwurf zu den Mainstream-Medien. Warum nicht schreiben, wie man will? So kurz und so lang wie es gerade passt. Sind weniger schöne Texte wirklich mehr?
    Ich finde Blogs könnten Anlaufstellen sein für all die, die nach den schnell frequentierten Posts bei den bekannten Netzwerken etwas Beständigeres suchen. Wie ein gutes Buch, für das man sich auch ein bisschen Zeit nehmen muss.

    Ich fände es schade, wenn Blogs jetzt begännen, Kurznachrichtendienst zu spielen. Die Blogs mit den längeren Texten, die ins Detail gehen, die sich auch mal verlieren, die gefallen mir immer noch am besten. Leider werden es immer weniger.
    Für mich und mein Blog habe ich jedenfalls genau diesen Entschluss gefasst: Wieder mehr Inhalte wagen, die nicht unbedingt schnell zu konsumieren sind.

    “Wer liest denn heute schon noch so lange Texte?”
    Wahrscheinlich die Wenigen, die solche Inhalte noch wertzuschätzen wissen und nicht nur schnell durchscrollen und im Akkord den Like-Button klicken. Die Frage ist: Was ist wertvoller? Hundert schnelle Likes oder eine zufriedene Leserin, die gerne wiederkommt und sich dann wieder die Zeit nimmt, sich mit dem, was man schreibt auseinander zu setzen?

  • CR
    2 Wochen ago

    Ich verstehe gar nicht, warum jetzt jeder einen Podcast machen will… und ich liebe weiterhin Blogs. Manchmal denke ich, es bedingt auch auch gegenseitig: wenn selten geschrieben wird und ich als Leser nicht weiß, wann, besuche ich bestimmte Blogs eher sporadisch. Dabei Liebe ich das Blogformat und das Lesen einer bestimmten Stimme. Und seien es kurze, ehrliche Posts. Wobei ich auch lange lese. Also Ermutigung von meiner Seite!

  • 2 Wochen ago

    Liebe Ricarda, ich habe mich letztes Jahr entschlossen, nur noch zu bloggen. Kein Insta mehr, kein Facebook – lieber seltener bloggen, aber dafür gehaltvoll. Seitdem habe ich mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben: Familie, Freunde (ja, ganz analog gepflegt essen gehen oder ins Kino), Sport – und manchmal einfach für’s Nichts Tun. Oder ich besuche ein Konzert und knipse Bilder – nur in meinem Kopf, direkt auf meine Festplatte. Kann ich sehr empfehlen:-) Liebe Grüße von Claudia

  • 1 Woche ago

    Guter Text – und Gedanken, die ich mir auch mache. Wie die Aufmerksamkeitsspanne gesunken ist, merke ich auch an mir selbst. Mir fällt es schwerer als noch vor ein paar Jahren, mich länger zu konzentrieren und das stört mich mittlerweile wahnsinnig. Ich versuche, weniger Zeit mit sozialen Medien zu verbringen, was mal besser, mal schlechter klappt. Aber seitdem ich bewusster konsumiere, merke ich leichte Besserung.
    Was Blogs angeht, ist das eine traurige Entwicklung. Blogs können Inhalte viel besser transportieren, finde ich, auch weil man sich mit dem Lesen eines Artikels bewusst Zeit nimmt – und nicht wie bei Insta oder FB alles im Vorbeiscrollen mitnimmt. Da muss ich mich Maurice oben anschließen: Vielleicht ist es verkehrt, sich da dem Trend anzuschliessen und dem Leseverhalten zu folgen.
    Ich lese auch weniger Blogs, aber bewusster. Und auch wieder vermehrt, weil ich nach der Suche auf ein bisschen mehr außerhalb von Insta und FB bin.
    Vielleicht werden da auch einige folgen? Ich könnte mir gut vorstellen, dass einige Leser auch irgendwann social-media-müde werden.
    Und die möchten ja auch irgendwo gute Texte und Bilder sehen.
    Liebe Grüße
    Tatiana

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