der ganz normale wohnsinn

Ich habe eine Freundin namens Kerstin. Wir teilen die Leidenschaft für Einrichtung und Wohnzeitschriften aus Holland und Kerstin hat bei sich gerade umgebaut. Nur ein paar Wände raus, neue Böden, neue Küche, also eigentlich ein Klacks. Vor den Sommerferien klagte sie mir bei einer Tasse Milchkaffee ihr Leid über unzuverlässige Handwerker, die nicht kommen und solche, die mit einem geöffneten Farbeimer über die gerade neu verlegten Pflastersteine im Eingangsbereich gingen, natürlich ohne vorher alles mit Pappe oder Folie auszulegen. Kerstin erzählte von falsch verlegten Steckdosen, sich an Obstkörben vergreifenden Männern in Blau und ihren Erfahrungen in der Keller-Küche, in der sie einen Monat abwechselnd Ravioli aus der Dose und Pfannkuchen aus der Mikrowelle auf den Tisch brachte. Ich bedauerte sie natürlich ausgiebig, sagte so oft es ging das schon alles gut wird und war der festen Überzeugung das bei uns alles gaaaanz anders laufen würde. Wir hatten schließlich einen Architekten, einen Bauablaufplan und vergebene Aufträge mit echten Verträgen. Ich schwor mir immer das Ziel vor Augen zu haben, ganz entspannt zu bleiben und keinen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Für das ganze Bauvorhaben hatten wir ungefähr drei Monate eingeplant, von denen heute sechs Wochen rum sind. Die Bagger sind weg und haben einen umgepflügten Garten hinterlassen. Nun sollte eigentlich der Mauerer kommen, am Mittwoch vor zwei Wochen. Ich wartete, er kam nicht. Ich rief den Architekten an, der mich zurück rief, es täte ihm leid, der Maurer wäre auf einer anderen Baustelle nicht fertig geworden, er käme erst Montag. Es war Montag, der Maurer kam nicht. Ich rief also wieder den Architekten an, der mich zurück rief, der Maurer würde noch Material besorgen, er käme so gegen elf. Er kam dann um viertel vor drei. Alleine. Und ging um viertel vor fünf. Am nächsten Tag war er pünktlich. Um zwölf. Und ging um zwei. Ich atmete tief durch, schloss die Augen und stellte mir meine neue Küche vor. Der Maurer ging und kam nicht wieder. Und anscheinend ist es sehr schwer, um diese Jahreszeit einen Maurer zu finden, denn die meisten sind bis zum Jahresende ausgebucht! Und das ist erst der Anfang, der zweite Handwerker! Ich glaube ich werde noch viel schreiben können, über den ganz normalen Wohnsinn. Jetzt sagt Kerstin mir, das alles gut wird. Und tröstet mich mit französischen Wohnzeitschriften und Entspannungstee.

P.S. Unter dem Kolumnentitel Der ganz normale Wohnsinn schreibe ich in Zukunft in unregelmässigen Abständen über das ganz normale Wohnen und Leben und alles was damit zu tun hat!

20 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    oh je… ich wünsch dir ganz viel Durchhaltevermögen!!!

    Ich weiß ja, warum ich mit meinem Freund kein Haus baue… er würde bei solchen Sachen immer durchdrehen und ich hätte für die komplette Bauzeit auch keinen Spass mehr. *aaahhhh*

    Da dekorier ich doch lieber unsere kleine 2Zimmerwohnung um…

    LG
    Nicole

  • Vor 6 Jahren

    ach herrje – du arme! da könnte ich einiges beisteuern… wir mussten vor diversen jahren in unser haus ohne treppe und strom und ohne heizung (2 tage vor weihnachten!) einziehen. am nächsten tag leckte die gasleitung und das haus wäre uns beinahe um die ohren geflogen! die monate vorher waren auch schon der „ganz normale bau-wahnsinn“. aber nach einigen jahren hast du dann viel zu erzählen…
    übrigens bekommen wir im november neue fenster. juchhu!
    halt durch! ich schick dir eine große portion gelassenheit!
    liebe grüße und trotz allem ein wunderschönes wochenende!

  • Es kommt mir alles so bekannt vor. Aber Du schaffst das! Und ich bin gespannt, was Du noch zu berichten weißt!

    Liebe Grüße und ich wünsche weiterhin starke Nerven! Und fühl Dich bloß niemals schlecht, weil Du die Leute zum vierten mal in 2 Stunden anrufst!

  • Vor 6 Jahren

    Genau: durchhalten. Und von der Illusion verabschieden, dass sich das mit Eigenheim jemals ändern wird. Irgendwas ist IMMER ;-)
    Unsere letzte Handwerkergeschichte liegt noch nicht so lange zurück, aber ich habe sie vorerst erfolgreich verdrängt, hat auch Nerven gekostet.
    LG

  • Oje, ich wusste gar nicht, dass das so schwer ist mit den Handwerkern. Schade, dass es so einen Mangel gibt.

  • Vor 6 Jahren

    Oje, das kenn ich. Bei meinen Eltern war es das Gleiche. Am Schluss war noch ein letztes Loch in der Wand und niemand möchte dafür verantwortlich gewesen sein. In diesem Sinne…tief durchatmen und relaxen. Das wird schon!

    Herzliche Grüsse
    Manuela

  • Vor 6 Jahren

    Oh nein, das ist ja Mist!!! Ich bedauer Dich aus der Ferne! Vor ein paar Wochen haben wir beide Gauben neu isoliert bekommen und dafür musste die Wand aufekloppt werden – nein, hat fast GAR NICHT gestaubt… Wir wohnten allerdings „nur“ 10 Tage auf einer Baustelle und mussten uns mit dem Maler rumärgern – aber am Ende, ja am Ende wird alles gut :-)! Eine schöne Kolumne, die mich hier und da zwischen Mitleid und einem kleinen Lächeln schwenken lässt! ALLES WIRD GUT!!! Liebe Grüße

  • Vor 6 Jahren

    Dann könnt Ihr ja von Glück sagen, dass Ihr nicht gleichzeitig umgebaut habt ;-) Ich drück die Daumen, dass von jetzt an alles glatt läuft…

  • Vor 6 Jahren

    Das kommt mir alles sehr bekannt vor! Traue keinem Handwerker, sagt selbst der Gutachter. Es ist unfassbar was einem da für Sachen passieren. Auf der Suche nach einem Haus haben wir da auch schon einiges erlebt – seit dem wir das Haus haben – fragen wir uns immer nur: „Kann das eigentlich wahr sein?“ Einfach tapfer bleiben – irgendwann ist auch das überstanden! Liebe Grüße, Kerstin

  • Viel Kraft und Durchhaltevermögen, viele Zeitschriften und beruhigende Tees und vielleicht etwas Meditation. Zum Schluss wird es bestimmt ein Traum. Lg, éva

  • Vor 6 Jahren

    Es geht auch anders! Wir haben letztes Jahr gebaut und unser Bauträger gab uns eine Bauzeitgarantie von 3 Monaten. Was er ohne Verzögerung geschafft hat. Was nur möglich war, weil alle Gewerke sich ohne Verspätungen und dumme Ausreden an den Plan gehalten haben. Im Zweifel haben die hier bis abends spät geschuftet, damit alles fertig war und morgens früh das nächste Gewerk ohne Verzögerung anfangen konnte. Jetzt wohnen wir seit gerade einem Jahr in unserem Haus und fühlen uns pudelwohl.
    Jule

  • Vor 6 Jahren

    Oh ja – ein sehr ergiebiges Thema, leider! Bestimmt wird dir für deine neue Kolumne niemals der Stoff ausgehen. Für euren eigenen Umbau wünsch ich dir, dass es nicht so unerfreulich weiter geht. Und lass dir vor allem nicht die Vorfreude verderben! Sonnige Grüße, Sabine

  • Vor 6 Jahren

    Oje, das kenne ich als Ex-Häuslbauerin auch. Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen :)

    PS: Ich bin gerade heute auf deinen blog gestoßen und restlos begeistert!! Vielen Dank für die vielen tollen Fotos und Inspirationen!

  • Anonymous
    Vor 6 Jahren

    Toll geschrieben! Ich musste so schmunzeln..
    Meine Eltern konnten nach dem Umbau nur noch fernsehen, wenn im Keller das Licht brannte! Auch schön, wie ich finde.

    Bin sehr gespannt auf weitere wohnsinnige Blogeinträge und wünsche starke Nerven!

    Liebe Grüße
    Pamela

  • Vor 6 Jahren

    Mach Dir wegen der verspäteten Antwort keine Sorgen. Ich wusste, dass sie irgendwann kommen würde und das reicht :)

    Ohja, von Bau- und Umbaumaßnahmen habe ich schon grauenvolle Dinge in Bezug auf die „Baubeteiligten“ gehört. Ich drücke Dir die Daumen, dass das nur Anfangsschwierigkeiten waren und es ab jetzt alles planmäßig verläuft!

    Ich freu mich aber trotzdem auf Deine Berichte. Die lesen sich so schön :)

    Liebe Grüße, Sindy

  • http://www.hibbyaloha.de/2011/10/rezept-toffee-cheesecake.html
    Hier ist das Toffee Cheesecake Rezept – sicherlich gut als Tröstkuchen geeignet. Er ist sooooooo mächtig. Ich habe ihn am WE gebacken. Traumhaft! Aber mehr als ein Stück kann man nicht essen… :o)

  • Vor 6 Jahren

    Du Arme! Ja, mit Handwerkern ist es oft schwer.

  • Anonymous
    Vor 6 Jahren

    liebes, nicht stressen lassen. das ergebnis wird all den stress belohnen!!! du wirst sehen. ich bin schon sooo auf das ergebnis gespannt!!!

    der titel und deine idee dazu ist genial :)

    dani von soisses-dasleben

  • Vor 6 Jahren

    oh ja…;)…da ich ja selber mal ein Handwerker war, kann ich dich da gut verstehen…selber war ich immer pünktlich…;)…wenn mich nicht andere daran gehindert haben…ach, Mensch…wird am Ende aber alles gut werden…ganz bestimmt…und du wirst die besten Sonntagssüss für unsere Augen backen…ganz bestimmt…sei gedrückt…und ich werde hier jetzt immer gerne motivieren…liebe Grüsse…cheers and hugs…i…

  • Vor 6 Jahren

    Bin gespannt auf die Kolumne.
    Freut mich, dass „der alltägliche Wohnsinn“ von http://www.vermoebelt.at dich zum „ganz normalen Wohnsinn“ (unterbewusst?) inspiriert hat.

    LG

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