möbelliebe | minza will sommer

 

Guten Morgen lieber Sonntag! Und liebe möbelliebe – es wird Zeit, der Serie mal wieder die Regelmässigkeit zu geben, die sie verdient hat. Die letzte möbelliebe mit Kerstin von Sanvie ist schon wieder drei Monate her! Deswegen freue ich mich sehr, dass heute Maren von Minza will Sommer mein Gast ist und Euch eines ihrer Lieblingsmöbel vorstellt. Marens wunderschönen Blog habe ich irgendwann mal über eine Vorstellung bei M i MA entdeckt um dann festzustellen, dass wir beide aus Köln sind! Maren ist Archtiektin, ihr Herz schlägt wie meins fürs Einrichten, für schöne Räume und für Köln, aber auch für Streetart, Kunst und Kultur.

 

Heute erzählt sie Euch von ihrer möbelliebe und der ganz besonderen Geschichte dazu.
Was ist das?
Ein Sitzmöbel der Plywood Group LCM von Vitra. Charles + Ray Eames entwarfen 1945/1946 den Stuhl mit der Idee, dreidimensional verformtes Schichtholz bestmöglich den Formen des menschlichen Körpers anzupassen.
Wo hast Du es her?
Aus einer Halle bei Zeithain bei Riesa, grob zwischen Dresden und Leipzig.


Wie lange hast Du es schon? 

Seit 2002.
Wo steht es und wofür nutzt du es?
Er wandert durch meine Wohnung und steht mal im Wohnzimmer, im Flur, aktuell im Schlafzimmer.

Warum ist es Dein Lieblingsmöbel?

Der Stuhl ist ein Geschenk in doppeltem Sinne. Während meines Studiums hatte ich neben Jobs und Uni ausnahmsweise mal eine Woche frei. Im Osten Deutschlands brachte derzeit die Elbeflut viele Menschen in Not und über eine Kirchengemeinde organisiert fuhr ich zum Helfen nach Lorenzkirch. Ich wurde eingeteilt um über die Dörfer zu fahren und immobilen Menschen nötige Habseligkeiten aus dem großen Spendenlager in Zeithain zu bringen, schaufelte Schlamm aus Häusern, redete mit vielen Betroffenen, Schicksale und ölüberschwemmte Felder trieben Tränen in die Augen. 
Im Auffanglager der Spenden fiel mir ein in Luftpolsterfolie gepackter Stuhl auf und ich ahnte Edles. Ein Eames von Vitra, neu und original verpackt. Mit Schnappatmung bat ich meine Mithelfer, dass dieser Stuhl bitte an einen in Not geratenen Designliebhaber gehen muss, er sei etwas ganz besonderes. Nahmen sie freundlich zur Kenntnis, verstanden es aber nicht wirklich. Denn er stand schon lange da, zu unpraktisch im Gebrauch, keiner wollte ihn haben, er nahm Platz weg. 

So eine Zeit des gemeinsamen Erlebens von Not schweißt zusammen und so fuhr ich auch nochmal am Lager vorbei zum „Tschüsssagen“. Ich war so gut wie weg und meine Mithelfer packten mir den Stuhl hinten in den Transporter. Ich solle ihn mitnehmen, ich wisse ihn zu schätzen. Puh! Nach mehrfachem „Nee“ und „das gehört sich nicht“ nahm ich ihn als außergewöhnlichen Lohn und Dank mit. Er ist in der Tat völlig unpraktisch, Nietenjeans zerkratzen das weiche Holz, er ist unbequem und alles Abgelegte gleitet ab. Aber er ist schön in Gestalt und außergewöhnlich wertvoll als Erinnerung.

 

Liebe Maren, vielen Dank, dass Du heute mein Gast bist. Und der Stuhl steht sehr verdient in deinem Zuause! Auch wenn er unbequem ist!
Und Ihr habt einen 1A Sonntag. Alles Liebe, Ricarda

11 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Ein wundervolles Stück ! Und mit einer tollen Geschichte, perfekt!

    Liebste Grüße an euch,
    Renaade

  • Vor 2 Jahren

    Oh was für eine schöne Anekdote aus der Studienzeit! Wir haben bisher auch zwei Designstühle, den Panton-Chair und einen DSW von James, beide in weiß und beide sind wie ich finde leider nicht sonderlich bequem, aber sie sehen einfach klasse aus! Liebe Grüße und einen schönen Sonntag an Euch beide liebe Ricarda und liebe Maren, Kathrin*

  • Hi hi. ..sehr cool…. ja, nicht alles was Rang und Namen hat hat es sich wirklich verdient für ein kleines Vermögen verkauft zu werden. Aber ich kann die Schnappschüssen dennoch 100%ig nachvollziehen. Mir wäre das auch so gegangen und der Stuhl auf dem niemand sitzen will hätte auch einen Ehrenplatz bekommen :)
    Einen schönen Sonntag noch!
    Viele liebe Grüße
    Franzy

  • Vor 2 Jahren

    Eine schöne Geschichte zu einem schönen Stuhl! Überhaupt sind Möbel mit Gesxhichte immer was ganz besonderes. Ich hatte irgendwann das Glück, 4 gebrauchte Jacobsen 3071 Stühle zu ergattern, die sind nicht nur Klassiker somder auch noch bequem, finde ich jedenfalls (der Herr im Hause fein & raum ist tatsächlich anderer Meinung)
    Lg und Danke für die schöne Geschichte,
    Mecki

  • Vor 2 Jahren

    Wunderschöne Bilder, wunderschöner Beitrag, wunderschöne Geschichte, wunderschöne Maren ähhh, ne meine ich ernst. Ich mag ihren Blog sehr gerne, besonders ihre Bilder. Und jetzt mit dieser Geschichte habe ich großen Respekt vor dem Einsatz. Toll, dass es solche Menschen gibt. Und wie schön, dass diese Möbelliebe einen Ursprung hat, fern weg vom ganzen Konsumdesignerrausch.
    Allerfeinste Grüße Schmasonnen

  • Vor 2 Jahren

    Was für eine Geschichte! Ich finde ein Möbelstück wird durch Geschichten drum herum erst richtig schön (vielleicht mag ich sie deshalb auch so besonders gerne mit Gebrauchsspuren)
    Liebe Grüße aus einem Haus voller Gebrauchsspuren
    Claudia

  • Vor 2 Jahren

    so eine tolle geschichte zu so einem schönen stuhl…
    den hätte ich auch sofort adoptiert.
    und wer sagt eigentlich, dass alles im leben immer praktisch sein muss.

    ganz liebe grüße
    julia

  • Very interesting blog. A lot of blogs I see these days don’t really provide anything that attract others, but I’m most definitely interested in this one. Just thought that I would post and let you know.

  • Vor 2 Jahren

    Toll. So eine Geschichte macht etwas Besonderes zu noch etwas „Besonderererem“. ;-)
    Mein Respekt auch für den Einsatz in den Überschwemmungsgebieten. Der Stuhl war mehr als verdient.
    Liebe Grüße
    Tara

  • Vor 2 Jahren

    Herzlichen Dank für all die schönen Kommentare, das freut mich sehr!!

    Und danke Dir Ricarda, dass mein Stuhl samt Geschichte ein Teil Deiner wunderbaren Reihe sein darf! Ich freue mich auf weitere Möbellieben!

    Herzlich, Maren

Ich freue mich über einen Kommentar!

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